Soziale Jungs

Gehandicapt: Inklusionsparcour im KIZ Gallus

Am 25. Oktober treffen wir uns zu einem gruppenübergreifenden Treffen im Mehrgenerationenhaus KIZ Gallus, wo Daria Stanco zusammen mit Marouan Tamouro einen Inkllusionsparcour für das Projekt "Soziale Jungs" vorbereitet hat. Als Einführung ins Thema Inklusion darf dieses gleich jeweils mit einem künstlichen „Handicap“ verspeist werden. Eine interessante Erfahrung, nicht zu sehen, was man zu sich nimmt, und gar nicht leicht herauszuschmecken. Oder nicht zu hören, wenn man beim Essen von jemandem angesprochen wird, weil man – in diesem Fall durch Kopfhörer simuliert – hörbehindert  ist.  Eine dritte Handicap-Variante war die eingeschränkte Handlungsfreiheit durch Festbinden eines Arms. Essen mit nur einem Arm – machbar, aber ganz schön schwer. Vor allem, wenn das Essen zerkleinert werden muss. Wie fühlt es sich an, seinen Nachbarn um Mithilfe zu bitten?
handicap_essen_400px.jpg

Trotz der erschwerten Umstände sind alle satt geworden, und es geht hinauf in den ersten Stock, wo es eine kleine Sporthalle gibt. Hier warten verschiedene Stationen, an denen etwas ausprobiert werden kann. Beispielsweise das Fahren im Rollstuhl um Hindernisse herum. Oder Korbbälle werfen mit Sehbeeinträchtigung, die durch das Tragen einer der verschiedenen Brillentypen simuliert wird. Auch Vorlesen, ohne selbst zu hören – dank Kopfhörer. Ein Herz ausschneiden mit nur eingeschränkter Motorik. Mit verbundenen Augen Wasser ins Glas einschenken oder Mensch-ärgere-dich-nicht spielen.  Oder „blind“ und mithilfe des Blindenstocks durch den Raum gehen, ohne gegen die Wand zu laufen.

handicap_ball_400px.jpg
Korbwurf mit Sehbehinderung

 

handicap_blindenstock_s.jpg
Der Weiße Langstock, einfach auch Blindenstock genannt, befähigt Menschen,
die blind oder stark sehbehindert sind, sicher, selbständig und effektiv mobil und
orientiert zu sein.

 

handicap_rolli_400px.jpg
Bei der Rolli-Rallye ist Geschicklichkeit gefragt.

 

handicap_ausschneiden_400px.jpg

Als Rechtshänder die rechte Hand im Verband und ein Herz ausschneiden - wie geht das denn!

 

handicap_herz_400px.jpg
Mit Entschlusskraft, Ausdauer und etwas Hilfe eines Freundes klappt es doch.

 

handicap_spiel_400px.jpg
Mensch ärgere dich nicht für ganz, ganz, Hartgesottene!

 

handicap_wuerfel_400px.jpg
Würfel mit tastbaren Ziffern

 

Nach dieser Aktion, bei der niemand aus dem Fenster stürzte, gegen die Wand prallte und auch sonst viel gelacht wurde, kehrten wir in den Raum im Erdgeschoss zurück, wo Daria Stanco den Schülern abschließend einen Erfahrungsaustausch anbot und erklärte, was  „Inklusion“ eigentlich bedeute. Wir hören: Alle sollen mitmachen dürfen. Niemand soll aufgrund von Handicaps ausgeschlossen sein. Dieses erfordert den Abbau von Barrieren, z.B. Rampen statt Treppen oder zusätzlich. Oder die Übersetzung für Gehörlose in Gebärdensprache, usw.
Was aber ist mit den Barrieren im Kopf, mit unseren Vorurteilen zum Beispiel? „Dass wir in Schubladen denken, ist ganz normal. Das machen wir alle, weil es das Leben sehr erleichtert“, so Daria Stanco. „Wichtig ist aber, dass wir unsere Schubladen immer wieder überprüfen und nachsehen, ob wir nicht etwas oder gar jemanden in die falsche Schublade gesteckt haben.“ Der Redebedarf nach dieser Aktion ist nicht sehr groß. Das Erlebte darf erstmal nachwirken. Und dann vielleicht sogar eingeordnet werden, möglicherweise in eine Schublade mit der Aufschrift „besondere Erlebnisse, auf alle Fälle weiter am Thema bleiben“.

 

 

 



Zum Newsarchiv